Über Mor Afrem

Mor Afrem wurde um das Jahr 306 nach Christus in Nisibis (türkisch: Nusaybin) in der Türkei an der heutigen Grenze zu Syrien geboren. Zu seiner Zeit war Nisibis eine römische Grenzstadt die das Reich vor den Persern schützte. Der Tur Abdin war die östlichste Grenze des Römischen Reiches.

 

Mor Afrem war ein Schüler des Heiligen Jakobus, des ersten Bischofs von Nisibis. Erst mit 30 Jahren wurde Mor Afrem zum Diakon geweiht. Zum Geistlichen, Priester oder Bischof, wurde er nie geweiht. Er war in Nisibis ein theologischer Lehrer, bis die Stadt 363 von den Persern erobert wurde. Daraufhin musste er nach Urhoy (griechisch Edessa, heute Urfa) fliehen. Dort lebte er als Einsiedler, später gründete er eine Schule die durch seine Weisheit schnell großen Einfluss gewann.

 

Die Nächte verbrachte Mor Afrem im Gebet und mit dem Studium der Heiligen Schrift. Gregor von Nyssa schrieb über ihn: „Afrem ist ein Nacheiferer der ersten Apostel; er kann allen Mönchen und Eremiten als Vorbild dienen. Er lebte ohne Tasche, ohne Stock und hatte weder Silber noch Gold. Seine Nahrung war Haferbrot und Gemüse, sein Getränk bestand aus bloßem Wasser. Sein Leib glich einem Skelett aus Ton.“

Kirche des Mor Yaqub in Nisibis, in der schon Mor Afrem betete

 

In seinen Werken, die er alle in Aramäisch schrieb, geht es Mor Afrem um einen nahtlosen, unmerklichen Übergang vom Alten Testament zum Neuen Testament. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Heilige Jungfrau Maria bei ihm ein.

 

Die Musik in der Syrisch-orthodoxen Kirche ist immer noch sehr stark von Mor Afrem beeinflusst. Seit dieser Zeit ist die Musik rein vokal. Instrumente waren nicht erlaubt. Damit wollte sich Mor Afrem bewusst gegen die heidnische Umwelt abgrenzen. In der heidnischen Umwelt spielten Instrumente eine große Rolle.

 

Mor Afrem wirkte bis zu seinem Tod als Lehrer, Prediger, Dichter und Exeget. Er verstarb in Urhoy am 9. Juni 373.

 

Gedenktag syrisch-orthodox: Samstag vor dem ersten Fastensonntag

Gedenktag katholisch: 9. Juni
Gedenktag evangelisch: 9. Juni

Gedenktag anglikanisch: 9. Juni

Gedenktag orthodox: 28. Januar

Gedenktag armenisch: 28. Januar

Gedenktag koptisch: 9. Juli

 

Ein Gebet des Heiligen Mor Afrem:

 

Herr und Gebieter meines Lebens,
Gib mir nicht den Geist des Müßiggangs, des Verzagens,
der Herrschsucht und der Geschwätzigkeit.

Schenke vielmehr mir, Deinem Diener,
den Geist der Keuschheit, der Demut,
der Geduld und der Liebe.

Ja, Herr, mein König, gewähre mir,
meine Sünden zu sehen
und meinen Bruder nicht zu verurteilen,
denn gesegnet bist Du in alle Ewigkeit, Amen.